Überrumpelt!

Es war ein heißer Badetag gewesen, so wie man es sich in der Provence erträumt. Wir alle hatten das warme Mittelmeer reichlich genossen und stiegen nur ungern wieder in den Bus nach Allauch. Die meisten von uns wurden bei der Ankunft von ihren Gastfamilien abgeholt, wir hingegen hatten das Glück, bei Freunden in der Nähe zu wohnen und konnten unsere Heimkehr immer recht flexibel gestalten. 

So entschlossen wir uns an diesem Tag spontan zu einem Besuch bei einem bekannten Ehepaar, wo einer unserer tüchtigen Radler wohnte.  Er hatte mit einer Gruppe den Weg von Vaterstetten nach Allauch im Laufe von 10 Tagen per Zweirad zurückgelegt – welch eine Leistung!  Wir waren natürlich strandmäßig locker gekleidet in Shorts, T-Shirt und Badeschlappen, die Haare waren vom vielen Toben im Wasser etwas zerzaust, aber das war nicht wichtig für unsere Freunde. Sie gehörten zur Folklore -Tanzgruppe Allauchs, und die Frau war gerade wieder dabei, die typischen wunderschönen weißen Trachtenkniestrümpfe zu stricken – ein richtiges Kunstwerk. Sie freuten sich sehr über unseren Besuch – sofort stand ein erfrischender Aperitif auf dem Tisch und es wurde reichlich lange “geratscht”. Unseren Gastgebern hatten wir nicht gesagt, dass wir diesen kleinen Umweg machen würden – man kannte sich ja schließlich gut genug. Ohne Zeitdruck vergingen fast 2 Stunden, bis wir endlich bei unserer Gastfamilie ankamen.  

Als wir in unserem Strandoutfit ins Wohnzimmer traten, traf uns schier der Schlag. Was wir nicht geahnt hatten: Wir wurden dort schon sehnlichst erwartet! Und nicht nur von unseren Gastgebern, nein! Der Esstisch war festlich gedeckt und drumherum saßen rund 20 Personen in eleganter Kleidung, die uns mit erleichtertem Applaus begrüßten. Sie hatten schon sehr lange beim Aperitif gesessen und waren superhungrig, insbesondere angesichts der köstlichen Düfte, die aus der Küche kamen!

Noch nie hatten wir uns so schnell geduscht und gestylt, um an “unserem” Festmahl teilzunehmen. Der Abend wurde sehr lang, denn es gab reichlich Vor- und Zwischen – und Haupt- und Nachspeisen mit immer neuen passenden Getränken. Und dazu viele Gespräche mit all diesen netten Bekannten, die wir zum Teil lange nicht gesehen hatten.  

Für uns war das wirklich eine tolle Überraschungsparty! Aber für die knurrenden Mägen der Gastgeber und Gäste wohl doch eine ziemliche Herausforderung.

Lavendelduft – satt!

Es war ein wunderschöner Ausflugstag in der Provence für unsere Reisegruppe aus Vaterstetten. Erstes Ziel waren die Lavendelfelder in Valensole, eine Augenweide: violette Hügel in der Landschaft, so weit das Auge reichte – herrlich! Wir besuchten auch das Museum mit vielen wertvollen Informationen, lernten den Unterschied zwischen „Lavande“ und „Lavandin“ sowie die unterschiedliche Wirkung derer Öle, und im Anschluss haben wir natürlich auch hübsche Lavendelsäckchen, Öle und Kissen gekauft.

Dann ging die Reise weiter, geplant war ein Picknick am Lac de Sainte Croix in den Gorges du Verdon (Verdon Schlucht) und anschließend ein Besuch des malerischen Bergdorfes Moustiers.

Doch an diesem Tag sollte nicht mehr viel nach Plan laufen…! Nach dem Picknick am See kehrten wir zum Bus zurück, aber der Fahrer war alles andere als gut gelaunt, denn sein Busschlüssel war in eine Öffnung des Busses gefallen. Auf welch abenteuerliche Weise er ihn zurückbekam, haben wir ausführlich in der Anekdote Traumziel erreicht geschildert.

Aber der Tag war ja noch nicht zu Ende. Kaum saßen wir alle wieder fröhlich im Bus und wollten losfahren, umhüllte uns ein Lavendelduft, der immer intensiver wurde, bis keiner ihn mehr ertragen konnte und alle aussteigen mussten. Der Grund? Eine Dame unserer Reisegruppe hatte ihr Lavendelöl mit anderen Objekten zusammen in einem Strohhut auf dem Schoß aufbewahrt, doch dabei war die Flasche zerbrochen und das Öl durch den Hut auf die Hose gesickert. Einzige Lösung: Flasche und Hut auf dem Parkplatz entsorgen. Nun blieb noch das Problem der mit Lavendelöl durchtränkten Hose – damit war die Rückfahrt unmöglich! Zum Glück hatte ein junges Mädchen Reserve-Leggings dabei, und mit etwas Überredungskunst konnten wir letztendlich die “Lavendeldame” überzeugen, diese anzuziehen und ihre eigene Hose unten im Kofferraum des Busses zu verstauen. Doch schon nach kurzer Fahrt hielten wir wieder an, denn der Lavendelgeruch im Bus war immer noch unerträglich –  Aktion Durchzug war angesagt und dazu bildete sich eine Arbeitsgruppe. In einer Reihe aufgestellt, bewaffnet mit Handtüchern, wurde die Luft von der hinteren zur vorderen Bustür hinausgewedelt bis man sich wieder zu atmen traute. Es war sehr sportlich, zugegeben, es hat auch wirr ausgesehen, aber es war auch effektiv. Nach etwa 20 Minuten konnten wir tatsächlich Richtung Allauch fahren, wo die Familien sich schon besorgt gefragt hatten, wo wir denn so lange blieben.

Nachdem ich meinem Gastgeber diese Geschichte während der Heimfahrt erzählt hatte, bot er mir Tränen lachend für den Abend ein Lavendeleis als Dessert an – Sie können sich vorstellen, dass ich freundlich dankend abgelehnt habe. 

Lavendelduft konnte ich lange nicht mehr ertragen, meine gekauften Lavendelsäckchen und -öl kamen erst Monate später zum Einsatz.    

Der Tag bleibt aber unvergessen, wahrscheinlich auch für unseren damaligen Bürgermeister Herrn Reitsberger, der sich bestimmt gefragt hat, ob er wirklich die richtige Reisegruppe gewählt hatte 😊!

Die “Lange Nacht des Kartenspiels”

Für die Fahrten von Vaterstetten nach Allauch gibt es seit Beginn der Partnerschaft traditionelle Daten, denn das erleichtert für Reisende und Gastgeber die Planung. So war bei uns von Anfang an der Zeitpunkt der Pfingstferien für die Hauptreise sehr beliebt, wenn in der Provence schon sommerliche Temperaturen zu einem Bad im Meer locken. Dann heißt es Abfahrt in Vaterstetten spätestens um 06:00 Uhr, denn der Weg ist weit, aber die Landschaft wunderschön und eine tolle Vorbereitung auf die kommende Woche.  

Das Bierfest in Allauch findet seit jeher am letzten Samstag im August statt. Seit Jahrzehnten reisen dann bayrische Musiker und Trachtler nach Allauch, um dort für Stimmung zu sorgen, aber im Gegensatz zu den Pfingstreisenden fahren sie immer über Nacht, da keiner einen Urlaubstag verlieren möchte. Die Suche nach dem passenden Busunternehmen gestaltet sich allerdings zunehmend schwieriger, weil viele keine Nachtfahrten mehr anbieten. So waren wir 2019 froh, ein passendes Unternehmen zu finden, das dazu noch besonders günstige Konditionen bot. Spätnachmittags am 28. August wurden die Geltinger Musiker mitsamt ihren Instrumenten abgeholt, danach in Kirchseeon die Seetaler Trachtler, und um ca. 19:00 Uhr ging es dann los.  

Die Busfahrer wählen immer selber die Fahrtroute aus, und diese hatten sich für den San-Bernardino-Tunnel entschieden, mit geplanter Ankunft in Allauch um 09:00 oder 10:00 Uhr am Folgetag. Bei bester Stimmung vergingen die ersten Stunden mit munterer Unterhaltung wie im Fluge. Kurz vor dem San-Bernardino-Tunnel kam dann aber der Schock, mit dem unsere Fahrer nicht gerechnet hatten. Auf einem großen Hinweisschild war zu lesen: 

 “Der Autobahntunnel San Bernardino wird ab dem 25. August 2019 über die Nacht für den Straßenverkehr gesperrt. Dies, um einen Teil der durch den Brandfall im Mai 2018 beschädigten Zwischenplatte zu ersetzen. Die Nachtsperre dauert jeweils von 20:00 Uhr bis 05:00 Uhr und wird sich bis zum 01. November 2019 hinausziehen.” Tja, da hatten sich wohl unsere Fahrer nicht gut vorbereitet, der Tunnel war für uns geschlossen, eine Ausweichroute für Busse nicht vorgesehen. Was nun? Ein “hätte, wäre, würde” nutzt gar nichts, genauso wenig wie schlechte Stimmung. Es blieb uns nichts anderes übrig, als den Anweisungen der Polizisten zu folgen und mit dem Bus auf einen Parkplatz kurz vor dem Tunnel zu fahren.

Unsere Musiker und Tänzer nahmen es gelassen hin und packten die Spielkarten aus. Gab es nicht neuerdings überall die “Lange Nacht” für alles Mögliche? “Lange Nacht der Musik”, “Lange Nacht der Museen”, “Lange Nacht der Brauereien” und so weiter. Also begann bei uns im Bus ab sofort die “Lange Nacht des Kartenspiels”!  

Und bis zur Ankunft in Allauch am frühen Nachmittag fand der eine oder andere sogar noch etwas Zeit für eine “Kurze Nacht des Schlafes”.

Freund und Helfer

Wie lang ein Reisebus ist, das wird einem erst so richtig klar, wenn man durch Südfrankreich fährt. Viel Verkehr, enge Gassen und Unmengen von Kreiseln erfordern allerhand Geschick und man ist voller Bewunderung für die Fahrerinnen oder Fahrer, die sich erfolgreich dort hindurchschlängeln. Schon bei der Ankunft in Allauch wird es heikel, denn um auf den Parkplatz zu gelangen, wo wir erwartet werden, muss der Bus eine 90° Abbiegung schaffen und durch ein großes Tor fahren. Und wenn wir während der Woche im Ortsteil Logis Neuf vom Bus aufgelesen werden, dann war vorher ein sogenannter U-Turn notwendig, eine Haarnadelkurve, die nur mit mehrfachem Rücksetzen des Busses bewältigt werden kann. Unglaublich eng sind auch die total zugeparkten kleinen Straßen, die zur Kathedrale Notre Dame de la Garde in Marseille hochführen – Hut ab vor allen, die das mit uns seit über 40 Jahren immer bravourös geschafft haben, ein großer Applaus war ihnen sicher!

Im vergangenen Jahr führte unser Weg wieder nach Les Beaux de Provence. Dieser malerische Ort mit seiner gewaltigen Festungsruine und historischen Steinhäusern, kopfsteingepflasterten Gassen, netten Geschäften und Cafés liegt hoch oben auf einem felsigen Hügel. Die Zufahrt ist happig, doch es lohnt sich sehr. Dort ist nämlich auch der alte ehemalige Steinbruch “Carrières de Lumière” – mit seinen Multimediashows immer ein Highlight für alle Reisenden. Bilder berühmter Maler werden auf gigantisch hohe Felswände projiziert, umrahmt von musikalischen Klängen, die diesen Besuch zu einem unvergesslichen Erlebnis machen.

Spannend war bisher immer, ob unser Bus wohl einen Parkplatz finden würde, doch diesmal war unser Chauffeur bestens ausgerüstet: Sein Navi zeigte ihm nicht nur den richtigen Weg, sondern auch einen freien Busparkplatz dort an! Begeistert parkte er ein, doch kaum waren wir ausgestiegen, als einige Polizisten kopfschüttelnd auf uns zu liefen. “Non, non, non” – dieser Parkplatz sei für einen anderen Bus reserviert, wir könnten hier nicht stehen bleiben, sondern müssten außerhalb des Ortes parken.

Da schien guter Rat teuer zu sein, war es aber nicht! Die Polizisten hatten eine wunderbare Lösung für uns: Während die Reisegruppe schon in die “Carrières” ging, wurde der Bus von einem Polizeiauto zum richtigen Parkplatz begleitet, und nach dem Einparken dort wurde der Fahrer im Polizeiauto wieder nach oben gebracht, damit auch er an der Multimediashow teilnehmen konnte. Für die Rückfahrt wurde ausgemacht, dass ein kurzer Anruf bei dem entsprechenden Polizisten genügen würde, damit dieser den Fahrer wieder zu seinem Bus bringt. Er dürfe uns dann oben bei den “Carrières” abholen und trotz Halteverbotes wieder einsteigen lassen.

Es war eine perfekte und bequeme Organisation – die Polizei als Freund und Helfer, welch eine schöne Erfahrung!

Alter schützt vor Torheit nicht!

Wenn sie heute farbige Lackschuhe sehen, werden sich manche Leserinnen vielleicht an ihre Kindheit erinnern: Waren damals nicht fast für jedes kleine Mädchen Lackschuhe ein Traum? Oder rote Schuhe? Oder gar rote Lackschuhe? Und manchmal hält dieser Traum bis ins “gestandene Alter” an. Doch der Reihe nach.

Eines Tages rief mich eine unbekannte Dame aus Vaterstetten an. Ich hätte doch Beziehungen nach Frankreich durch die Partnerschaft – ob ich ihr vielleicht helfen könnte? Es sei ihr etwas peinlich, mich damit zu belästigen, aber nun habe sie sich doch getraut. Es ging um folgendes:  Sie habe in einem online-Katalog gesehen, dass eine belgische Firma ihre Lieblingsschuhe im Ausverkauf anbietet – endlich zu einem erschwinglichen Preis, dazu noch in ihrer Lieblingsfarbe, und das auch noch in ihrer Größe. Es seien so tolle, bequeme und außergewöhnliche Schuhe, sie habe bereits 2 Paar in Schwarz und Rot, absolute Hingucker, aber die gelben seien ja nun ein absolutes Nonplusultra. Sie besäße sogar eine passende Jacke in dieser Farbe! Sie habe sofort eine Online-Bestellung aufgegeben, doch dann kam die enttäuschende Nachricht, dass keine Lieferungen nach Deutschland möglich seien – hingegen sehr wohl nach Frankreich. Ob vielleicht ich durch meine Beziehungen mit der Partnerschaft Allauch da helfen könnte?

Da ich für jeden Spaß zu haben bin, verabredeten wir uns bei ihr, damit auch ich diesen Traumschuh persönlich sehe und die nette Dame kennenlerne. Sie ahnen es schon: Das kleine Mädchen in mir war begeistert. Ich hatte sofort das Gefühl, dass es auch mein Traumschuh werden könnte, und zwar in ROTEM LACK, und ich mich einer Bestellung anschließen würde. Also erzählte ich diese aufregende Schuh-Story meiner Kollegin Chantal in Allauch, fragte, ob sie bereit wäre, diese zwei Paar Schuhe für uns zu bestellen, zu bezahlen und uns dann weiterzuschicken.

Auch Chantal lachte und willigte sofort ein. Eine lange Wartezeit verging, bis die Meldung aus Allauch kam, die Schuhe seien eingetroffen. Nochmal verging viel Zeit, bis der Postbote mir das Paket auslieferte. Den “großen Moment” wollten wir natürlich gemeinsam begehen. Meine neue Vaterstettener Freundin G. eilte herbei. Welch ein Anblick, als wir den Karton öffneten – rote und gelbe Lackschuhe – einfach toll.  Begeistert stießen wir mit einem Glas Prosecco an, fotografierten uns gegenseitig und unsere Schuhe und lachten uns kaputt über diese verrückte Aktion. Ohne die Partnerschaft mit Allauch wäre das nicht möglich gewesen! 

Eins verrate ich Ihnen aber doch: Eigentlich waren mir meine roten Schuhe etwas zu klein. Ich habe sie täglich glücklich angeschaut, aber nur wenige Male getragen und dann weiterverschenkt. Und durch das hohe Paketporto waren sie eigentlich doch nicht so preiswert gewesen! Tja, Alter schützt vor Torheit nicht, aber eine schöne Erinnerung hat ja auch einen hohen Stellenwert!

Schuhe der Jumelage

Unendliche Geschichte?

Auch wenn der Dezember nun endgültig hinter uns liegt, so ist er für uns immer noch nicht wirklich abgehakt. Grund: Unsere Reise zum Weihnachtsmarkt nach Allauch.

Eigentlich war das Programm genau festgelegt für unseren Aufenthalt: Abflug Mittwochmittag, Abend in Familien, Donnerstagvormittag wie immer Besuch der Grundschule, um drei Deutschklassen nacheinander von unseren Advents- und Weihnachtsbräuchen zu erzählen. Nach dem Mittagessen Besuch des Gymnasiums, damit die älteren Schülerinnen und Schüler etwas über die Partnerschaft erfahren und Interesse an Praktika bei uns bekommen. Anschließend dann viel Freizeit für uns bis zum Abend für einen schönen Ausflug mit dem französischen Komitee ans Meer und in einen Ort mit besonders eindrucksvoller Weihnachtsbeleuchtung, Freitag viele Vorbereitungsarbeiten für den Weihnachtsmarkt und eine gemeinsame Sitzung der beiden Komitees, Samstag und Sonntag voller Einsatz von früh bis spät auf dem Markt, Montag Verräumen der Restware, Bummel durch Allauch und Rückflug.

Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Schon am Dienstag vor der Abreise erhielten wir die Nachricht von der Lufthansa, dass unser Flug vom Mittwoch annulliert worden sei – neue Möglichkeit gleiche Zeit am Donnerstag. Sie können sich vorstellen, was wir am Freitag alles unter einen Hut bringen mussten – siehe oben. Auf der Strecke blieb natürlich unser Ausflug, denn Pflicht ist Pflicht. Dazu regnete es am Freitag in Allauch von früh bis spät in Strömen – gut, dass wir so viel zu tun hatten. Samstag und Sonntag waren dann schöne Tage mit Sonne, wenig Wind, netten Besuchern, interessanten Gesprächen und guten Verkäufen. Wir waren erschöpft, aber rundum zufrieden.

Montagmorgen dann die erste Hiobsbotschaft: An diesem Tag galt die “Action escargot”, die “Aktion Schnecke” auf den Straßen. Willkürlich wurde auf nicht vorher bekannt gegebenen Strecken der Verkehr von Demonstranten ausgebremst. Ob auch unser Weg zum Flughafen betroffen sein würde? Vorsichtshalber wurde das Sammeltaxi sehr zeitig bestellt. Nach dem Mittagessen blieb gerade noch eine halbe Stunde für einen Bummel durch Allauch. Dabei erreichte uns die zweite Hiobsbotschaft: Gebuchter Flug Marseille-München annulliert, neue Möglichkeit etwas früher über Frankfurt. Nun musste alles blitzschnell gehen. Das Sammeltaxi brachte uns rechtzeitig zum Flieger, und auf ging’s nach Frankfurt. Die beunruhigend kurze Umsteigezeit dort wurde lang und länger, endlich kam die erklärende Durchsage: Die gesamte Crew musste wegen Arbeitszeitüberschreitung ausgetauscht werden, die neue erstmal von zu Hause anreisen. Aber irgendwann war es so weit, 3 Stunden später als geplant landeten wir in München. Ja, WIR, aber nicht unsere Koffer. Das war doppelt ungünstig, denn jeder hatte in seinem Gepäckstück Lavendelhoniggläser, die an der Krippe verkauft werden sollten. Nur nach und nach trudelte im Laufe der Woche immer mal wieder ein Koffer ein.

Bis auf einen. Der mit den restlichen 12 Honiggläsern ist bis heute verschollen – lag es am leckeren Lavendelhonig? Wir hoffen sehr, dass – wenn Sie diese Zeilen lesen – aus der unendlichen Geschichte eine endliche geworden ist!

Alle reden über das Wetter – wir auch!

Ein Beitrag von Ursel Franz und Barbara Wagner

In den ersten Jahrzehnten unserer Partnerschaft mit Allauch war eines klar: Wenn wir in der Provence sind, ist IMMER Superwetter, blauer Himmel, Sonnenschein, Hitze. Da reicht das kleine Köfferchen mit den dünnen “Fähnchen” und bequemen Sandalen – eine Jacke braucht man garantiert nie. Zwar sollte man möglichst beim offiziellen Abend ein Dirndl anziehen, aber ok, dann würde man halt einen Abend lang schwitzen. Als ich irgendwo ein leichtes, kniekurzes Sommerdirndl entdeckte, griff ich zu und sah frohlockend dem Festabend entgegen. Doch ausgerechnet in jenem Jahr fand er in dem “Salle de mariage”, dem großen Trauungssaal in Allauch, statt, wo die Klimaanlage auf Hochtouren lief und für regelrecht eisige Temperaturen sorgte. Wie habe ich all diejenigen beneidet, die ein wadenlanges Dirndl trugen!

Wenn aber die Franzosen zu uns kamen, war die Situation eine ganz andere.
Dazu möchte ich aus einem “Brief an unsere Freunde” zitieren, ein “Brief” von Barbara Wagner anlässlich des 20. Jubiläums der Partnerschaft, den wir an unserem offiziellen Abend als Rede auf Französisch vortrugen.

Liebe Freunde aus Allauch!
Es gibt viele erwähnenswerte Eigenschaften von Euch zu besingen, u.a. auch Eure Ausdauer und Eure Widerstandskraft. Wie sonst wäre es zu erklären, dass Ihr treu immer wieder die Reise in den kalten und regenreichen Norden antretet.
Ich erinnere mich an die diversen Male, da Ihr mit (schicker aber viel zu luftiger) Sommerkleidung angereist wart und von Euren Gastgebern und Freunden in warme Pullover und Jacken gehüllt wurdet. Einmal flüchteten wir im Englischen Garten mit Euch unter das Vordach des Chinesischen Turmes, um so einigermaßen geschützt unser Picknick einzunehmen. Ein Sommerfest auf dem Sportgelände am Waldrand absolvierten wir mit Euch frierend im Zelt. Zahlreiche Ausflüge durch das schöne Bayernland verlangten viel Phantasie: Die Schönheit verbarg sich hinter dichten Regenvorhängen. Die Floßfahrt musste abgeblasen werden und endete im Hallenbad. Den Höhepunkt unseres Testes an Eure Leidensfähigkeit stellte mit Sicherheit der Besuch der "Carmina Burana" auf dem Münchner Königsplatz dar. Was als großartiges Open Air Sommerfestival geplant war, musste geschützt durch Pullover, dicke Jacken, Regenmäntel, Mützen und Schals überstanden werden. Selbst Thermoskannen mit heißen Getränken, sei es alkoholischer oder nicht alkoholischer Art, wärmten nur vorübergehend. Bei dem Gedanken daran friert Ihr sicher immer wieder.
Und trotzdem verlasst Ihr jedes Jahr einige Male Eure schöne warme Provence, um uns im kühlen Bayern zu besuchen. Ich danke Euch für Eure Treue und freue mich auf viele weitere Begegnungen. Leider kann ich keine Besserung unseres Wetters garantieren!

Zu diesem “Brief” überreichten wir jedem Mitglied des französischen Komitees einen schönen großen München-Regenschirm, sozusagen als Entschuldigung und Trostpflaster für unsere Wettermisere. 

Und was war der Kommentar unserer französischen Freunde? 
“Wir LIEBEN Euer Wetter, den Regen, die kühlen Temperaturen – bei uns ist es einfach immer viel zu heiß!”

Geht nicht gibt’s nicht!

Ein Beitrag von Ursel Franz und Inge Mayer-Simon

Zwar liegt nun der November vor uns und das Thema hätte vorweihnachtlich sein dürfen, aber taufrisch ist noch die Erinnerung an ein Erlebnis auf der Wiesn. Und irgendwie war es ja vielleicht auch ein Hauch von Vor-Vor-Weihnachtswunder….!

Wie viele von Ihnen wissen, veranstalten unsere französischen Freunde seit über 30 Jahren Ende August ein bayrisches Bierfest in Allauch. Es ist immer ein großer Erfolg und somit kein Wunder, dass irgendwann der Wunsch aufkam, das “echte Bierfest”, das Oktoberfest in München kennenzulernen. Im Nu hatten sich beim französischen Partnerschaftskomitee 33 Personen angemeldet, darunter erstmals auch der dortige Bürgermeister Lionel de Cala und etliche Mitglieder der Allaucher Gemeindeverwaltung. Da gab es viel zu organisieren für unseren Vorstand, denn es ist nicht so einfach, am Wiesnauftakt-Wochenende 40 Plätze in einem Bierzelt zu reservieren für Gäste und Begleitpersonen. Seit Jahresbeginn liefen unsere Anfragen, und tatsächlich waren wir erfolgreich. Auch fanden sich genügend Vaterstettener Gastfamilien, um alle aufzunehmen. Wir sagen hier gleich noch einmal ganz herzlichen Dank dafür – die Gäste waren begeistert!

Damit keiner verloren ging im Wiesntrubel, wurden Kleingruppen zusammengestellt, d.h. 4 oder 5 Franzosen mit je einem Mitglied aus unserem Vorstand “verbandelt”. Und um nicht gleich am ersten Tag die volle Wucht eines 6000-Personen-Zeltes auf die Gruppe prallen zu lassen, reservierten wir für den Samstag zur Mittagszeit auf der “Oidn Wiesn” im Festzelt “Tradition”. 

Meine Kollegin und ich saßen neben Bürgermeister de Cala und 3 Personen aus dem Rathaus Allauch an einem Tisch. Nach längerer Diskussion entschieden sie sich für ein Hendl, und sie wollten dazu gern Pommes frites.

Aber leider standen keine auf der Speisekarte, und unsere wirklich nette Bedienung Anastasia erklärte uns, wir könnten sie draußen gleich hinter dem Ausschank im Traditionszelt Kinderland kaufen. Wir zwei sausten dorthin, aber vergebens, Fritten wurden rigoros nur an Kinder ausgegeben, und solche hatten wir nicht dabei. Freundlich erklärte man uns, gleich neben dem Haupteingang gäbe es welche.

Die Security am Haupteingang hatte keine Ahnung, wo sich ein solcher Stand befinden könnte. Da sah ich glücklicherweise im Zeltbüro die Dame sitzen, über die ich die Tische reserviert und die ich am Morgen auch schon mit ein paar Wünschen genervt hatte. Auf meine Frage nach Pommes hin blieb sie freundlich, meinte aber, wir sollten das Zelt besser nicht verlassen, denn mit Pommes-Tüten würden wir an der Security vorbei sicher nicht wieder hineinkommen. Wahrscheinlich sah sie unsere ratlosen Gesichter, denn sie kam aus ihrem Kabäuschen, begleitete uns zu unserem Tisch und gab unserer Kellnerin Anastasia augenzwinkernd den Auftrag, doch bitte zum Kinderland zu gehen und für den Tisch XY (unser Tisch) für die vier dort sitzenden “Kinder” Pommes zu holen. 

Und so bekamen unsere französischen Gäste zu den Hähnchen ihre Fritten, die auch noch gut schmeckten!

Also: Geht nicht, gibt’s nicht!

Ein ungewöhnlicher Ausflug

Endlich in Allauch, so freute sich die ganze Reisegruppe aus Vaterstetten nach der 15-stündigen Busfahrt. Jeder war gespannt, welcher neue oder schon bekannte Gastgeber ihm zugeteilt würde, und genauso gespannt waren alle auf das Programm während dieser Woche. Besonders große Freude herrschte, als wir in jenem Jahr lasen, dass auch eine Schiffsfahrt durch die Calanques mit anschließendem Badetag in Cassis vorgesehen war.

Auch wenn man diesen Ausflug vielleicht schon einmal machen durfte, so ist er immer wieder ein Highlight. Die Calanques sind steilwandige Küsteneinschnitte, Fjorden ähnlich. Sie entstanden vor etwa 120 Millionen Jahren und erstrecken sich südlich von Marseille bis nach La Ciotat. Besonders reizvoll ist das Massif entlang der Küste auf 20 km zwischen Marseille und Cassis, das im Jahre 2011 zum Nationalpark erklärt wurde, dem “Parc National des Calanques”. Millionen Touristen kommen alljährlich, um dort zu wandern oder – besonders beliebt – zu klettern. Oder sie fahren wie wir mit dem Boot von Calanque zu Calanque, bewundern die bis zu 600 m hohen steilen Felsen mit den waghalsigen Kletterern und die malerischen kleinen Badebuchten mit dem tiefblauen Wasser.

Am “Tag der Tage” strahlte die Sonne vom Allaucher Himmel, und wir stiegen sommerlich bekleidet in den Bus. In Cassis muss man abseits des Ortes parken, alle Reisenden steigen um in eine Bimmelbahn, die dann bis zur Bucht fährt. Das ist zum Auftakt immer ein Spaß, und dann ging es auch schon los, mit dem kleinen Schiff hinaus ins offene Meer zu den Calanques. Doch eh wir’s uns versahen, wurde es leicht neblig, wurde es sehr neblig, ja so neblig, dass nichts mehr zu erkennen war, kein Meer, keine Calanques. Nur die Spitze der hohen Felsen ragte hier und da blass sonnenbeschienen aus dem geheimnisvollen Weiß, das uns umhüllte. Ein bisschen mulmig wurde uns schon, wie denn unser Kapitän ohne jegliche Sicht an den Felsen vorbeikommen würde, doch natürlich hatte die moderne Technik alles im Griff: Fahrt nach Instrumenten hieß die Devise, kein Problem. 

So ungewöhnlich und interessant der Ausflug war, so war er doch enttäuschend, weil wir ja nichts gesehen hatten von dieser wuchtigen wunderbaren Natur. Und nun fragten wir uns auch, was denn statt des Badetages gemacht würde, denn Schwimmen im Nebel, wo keiner den anderen mehr sehen kann, erschien uns nicht gerade reizvoll. Das Schiff machte sich auf den Rückweg und siehe da: Ein Wunder war geschehen. Je mehr wir uns der Bucht näherten, desto dünner wurde der Nebel, und dann lag sie vor uns, die schöne Bucht von Cassis: in strahlender Sonne, so als hätte sie dort die ganze Zeit einfach auf uns gewartet.

Allauch, Cap Canaille mit Blick auf Cassis

Eine Trompete bringt Frösche zum Schweigen

Es war in jenen frühen Jahren der Partnerschaft, als das Vaterstettener Bläserensemble noch 25 Buben und Mädchen umfasste. Regelmäßig während der Pfingstferien machte sich das Ensemble gemeinsam mit ihrem Maestro Helmut Musser nach Allauch auf. Bei jedem Besuch lag eine turbulente Woche vor ihnen, mit täglichen Musikdarbietungen: beim großen Begrüßungsessen, im Freien auf dem Platz vor dem Rathaus, in Kirchen und Schulen, in Allauch und Logis-Neuf, in Marseille und sogar in Aix-en-Provence.
In einer lauen Juninacht – das feierliche Konzert in der Kirche St. Sébastien mit deutsch-französischer Gemeinschaftsdarbietung von Beethovens Hymne an die Freude war nach viel Applaus und den obligatorischen Lobreden um Mitternacht zu Ende gegangen – fanden wir uns bei Freunden in Château Gombert, einem Vorort von Marseille, auf der Gartenterrasse wieder. 

Jung und Alt, Franzosen und Deutsche – es war eine bunte fröhliche Gesellschaft. Tische wurden zusammengerückt, der Hausherr sorgte für Wein. Und während der Gastgeber noch die Zutaten kredenzte – Käsewürfel, französische Salami, Oliven und andere kleine Köstlichkeiten – waren schon muntere Gespräche in Gang gekommen. Nach so einem erfüllten Tag konnte nicht jeder für sich alleine nach Hause gehen, zu sehr waren alle nach dem Konzert noch “aufgeladen”. In den Platanen über uns zirpten die Grillen, untermalt vom dumpfen Brausen des nahen Großstadtverkehrs. Und im Gartenteich neben uns quakten viele Frösche. Es war eine gleichmäßige Lautkulisse, die aber niemand bewusst wahrnahm. Doch plötzlich ging ein Instrument von Hand zu Hand: Der Sohn des Hauses hatte das Flügelhorn – eine Art Trompete –  seines Urgroßvaters herbeigeholt, ein Erbstück der Familie. Die Stimmung war gut, unsere provenzalischen Freunde hatten schon einige Lieder gesungen und gerade ein neues angestimmt. Was also lag näher, als dass Helmut Musser das gute alte Flügelhorn in Aktion zu setzen hatte. Er zierte sich zwar zunächst noch ein bisschen, aber dann stand er auf und die ersten Töne aus seinem unerschöpflichen Repertoire stiegen dem klaren Sternenhimmel entgegen.
Im Hintergrund wurde es schlagartig still. Die Frösche hatten aufgehört zu quaken. Erst jetzt bemerkten wir, dass es sie gegeben hatte. Die französischen Trinklieder hatten sie mitnichten zum Einhalten bewegt – aber das Flügelhorn-Solo! Danach tosender Applaus, Gespräche, Lachen, deutsch-französischer Lärm – die Frösche blieben still. 

Erst Minuten später, das Instrument lag wieder auf dem Tisch, ging das Froschkonzert langsam wieder los. 

Nun wollten wir es aber wissen: Das Experiment wurde noch einmal wiederholt. Und tatsächlich, die Frösche waren schwer beeindruckt und lauschten andächtig Helmut Mussers Flügelhornklängen. Sie trauten sich erst nach respektvoller Pause, ihr eigenes Konzert wieder aufzunehmen – vielleicht war es auch eine Art Applaus von ihrer Seite …